8 Regeln für den totalen Stillstand

Published on October 21, 2024

8 Regeln für den totalen Stillstand

Alle, die das Video von Prof. Peter Kruse bisher nicht kennen, müssen sich das unbedingt anschauen. Wirklich. Und alle, die es bereits kennen, können sich überlegen, wann sie es das nächste Mal nutzen: um Führungskräfte und Projektverantwortliche zu sensibilisieren oder einfach als unterhaltsamen Einstieg in einen Workshop oder eine Veranstaltung.

 

Peter Kruse war Professor für kognitive Psychologie an der Universität Bremen. 2008 hat er in einem Vortrag – quasi als paradoxe Intervention – acht Regeln für den totalen Stillstand formuliert. Hier das Video. Eine kurze Zusammenfassung folgt darunter.

 

1. Wechsel zwischen Kontrolle und Freiheit

Eine effektive Führungskraft sollte häufig zwischen striktem Mikromanagement und völliger Entscheidungsfreiheit für das Team wechseln. Wenn die Führungskraft alles kontrolliert, ist die Intelligenz des Unternehmens auf das Wissen dieser Person beschränkt. Andererseits kann es, wenn man dem Team zu viel Freiheit lässt, zu einem Mangel an Zusammenarbeit kommen. Die beste Strategie für Stillstand besteht darin, immer wieder zwischen diesen beiden Polen zu pendeln. Diese ständigen Wechsel verwirren die Mitarbeiter und führen dazu, dass sie nicht mehr wissen, was von ihnen erwartet wird.

2. Informelle Diskussionen über Veränderungen

Um Veränderungen im Unternehmen zu verhindern, kann es hilfreich sein, regelmäßig Gerüchte zu streuen. Wenn man beispielsweise in verschiedenen Abteilungen andeutet, dass eine Schließung bevorstehen könnte, sorgt das für Aufregung und Emotionen, ohne dass es tatsächlich zu Veränderungen kommt. Diese Gerüchte tragen zur Unsicherheit und zur Verwirrung bei und können letztlich die Dynamik im Unternehmen hemmen.

3. Viele Veränderungen gleichzeitig anstoßen

Um ein Gefühl von Hektik und Überforderung zu erzeugen, sollten viele kleine Veränderungen gleichzeitig umgesetzt werden. Indem man ständig neue Wochen-, Tages- und Stundenziele proklamiert, bleibt das Unternehmen in einem Zustand der ständigen Aktivität. Längere Maßnahmen, wie Jahresziele, sollten vermieden werden, da sie echte Veränderungen nach sich ziehen könnten.

4. Internen Wettbewerb fördern

Der Aufbau eines starken internen Wettbewerbs kann die Mitarbeiter dazu bringen, sich gegenseitig auszubooten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Hohe Boni für individuelle Leistungen stärken diesen Wettbewerb, sodass jeder nur an sich selbst denkt. Dies führt zu einer Atmosphäre, in der das Zusammenarbeiten behindert wird und letztlich wenig Fortschritt erzielt wird.

5. Schuldzuweisungen und Problemanalyse

Statt Lösungen zu finden, sollte man sich darauf konzentrieren, herauszufinden, wer für ein Problem verantwortlich ist. Dies kann durch tiefgehende Analysen und die Bildung von Untersuchungskommissionen geschehen. Auf diese Weise bleibt die Organisation mit der Schuldzuweisung beschäftigt, und echte Lösungen werden vermieden.

6. Bestehende Regeln nicht hinterfragen

Es ist wichtig, die bestehenden Regeln unverändert zu lassen. Wenn überhaupt, sollten nur zusätzliche, oft sinnlose Regeln hinzugefügt werden. Der Sinn der ursprünglichen Regeln sollte niemals in Frage gestellt werden, auch wenn die Gründe dafür nicht mehr klar sind oder gar nicht mehr existieren.

7. Schnelle Entscheidungen treffen und später in Frage stellen

Schnelligkeit bei der Entscheidungsfindung ist wichtig. Je schneller ein „Ja“ gegeben wird, desto besser. Nach den Meetings sollte Raum für informelle Diskussionen über die getroffenen Entscheidungen bleiben, damit diese in Ruhe infrage gestellt werden können. Dies sorgt dafür, dass die Teilnehmer oft ihre Meinung nach dem Meeting ändern.

8. Schnelle Entscheidungen ohne Umsetzung

Es ist ratsam, viele Entscheidungen schnell zu treffen, während die Umsetzung langsam erfolgt. So gewöhnen sich die Mitarbeiter daran, dass Veränderungen kommen und gehen, ohne dass sich tatsächlich etwas ändert. Diese Dynamik führt dazu, dass sie eine Art „Sit and Wait“-Mentalität entwickeln: Sie lehnen sich zurück, wenn Veränderungen angekündigt werden, und warten darauf, dass sie vorüberziehen.

Diese acht Punkte zeigen, wie man das Unternehmensumfeld stagnieren lassen kann und warum es wichtig ist, sich in diesen Mustern zu bewegen.

Diese acht Punkte können die Unternehmensdynamik stark beeinflussen und sollten beachtet werden.

Alle 8 Regeln haben wir auf einer Seite zusammengefasst und stellen sie Dir unten auch als PPT zur Verfügung.

 


 

 

Pro Tipp 👊

Man kann die acht Regeln auch als Ratgeber nutzen, wenn das Top-Management mal wieder totalen Unsinn entschieden hat und man die angekündigte Veränderung verhindern will 😜 

 

Wenn Du weitere „Regeln“ kennst, schreib sie bitte als Kommentar unter diesem Beitrag.

Und vielleicht danken wir irgendwann Peter Kruse (mögen er in Frieden ruhen) für die Inspiration und drehen gemeinsam ein Video mit 17 Regeln, denn in Wirklichkeit ist es in vielen Organisationen noch viel schlimmer als er beschreibt.